INCRA, Was ist INCRA

Was ist INCRA, Landbesetzungen, Abholzung



Links:


Das INCRA (Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária
(Nationale Besiedlungs- und Landreformbehörde))

ist für die Landreform und die Ansiedlung von
bäuerlichen Betrieben zuständig. Es ist dem Ministerium für
landwirtschaftliche Entwicklung MDA zugeordnet und
verwaltet die Flächen die im Eigentum des Bundes
stehen. Das INCRA wurde in den 70er Jahren gegründet,
um die „leeren“ Flächen Brasiliens, hauptsächlich in Amazonien,
zu besiedeln.

Das INCRA hat 29 Superintendências, denen
jeweils mehrere Regionalbüros unterstehen.
Die Aufgabe des INCRA besteht darin, Landtitel zu verteilen
bzw. Ansiedlungsprojekte durchzuführen.
Das INCRA verkauft das Land an die Siedler
und sichert im Gegenzug die Durchführung grundlegender
Infrastrukturmaßnahmen zu, wie den Bau von Straßen
und die Strom- und Wasserversorgung. Außerdem haben
die Siedler für den Häuserbau und als allgemeines Startkapital
Anrecht auf günstige Kredite.
Die meisten Ansiedlungsprojekte werden dort
durchgeführt, wo schon Landbesetzungen von sozialen
Bewegungen statt gefunden haben.

Es gibt zwei verschiedene Landbesetzungsformen durch die sozialen Bewegungen:
die der Landlosenbewegung MST und die des Landarbeitergewerkschaftsverbands
FETAGRI.

Das MST dringt in der Regel in Ländereien von Großgrundbesitzern ein,
besetzt diese und schafft damit vollendete Tatsachen. Um das
besetzte Land zu verlassen, bietet das INCRA ihnen alternatives
Land an. Die FETAGRI hingegen besetzt Land, das
niemandem gehört. Die Leute siedeln sich dort an und
hoffen auf den Erhalt von Landtiteln. Das INCRA legalisiert
diese Landbesetzungen häufig, indem es nachträglich ein
Ansiedlungsprojekt durchführt.

Eines der Probleme mit den Ansiedlungsprojekten in Amazonien
ist, dass die Besonderheiten der Region bei der
zentralen Planung in Brasilia oft nicht berücksichtigt werden.
Zwar sind z. B. die Grundstückspreise in der Regel
niedriger, dafür sind aber die Materialien für die Schaffung
von Infrastruktur wesentlich teurer als im Süden. Die darauf
beruhenden Fehlkalkulationen hatten in der Vergangenheit
oft zur Folge, dass die versprochenen Infrastrukturleistungen
nicht erbracht werden konnten und die angesiedelten
Kleinbauern oftmals unter prekären Bedingungen ihr Dasein
fristen. So sehen sich die Bauern oft gezwungen, als alternative
Einkommensquelle bspw. Einschlagsrechte an die
Holzindustrie zu verkaufen.


Schritte einer illegalen Landnahme
(“grilagem”)
1. Interessensverbände schließen sich zusammen und
gründen “Kooperativen”, um Land  zu
“erwerben”. Sie suchen sich eine bestimmte Fläche aus.

2. Über das ausgewählte Gebiet wird sodann beim
INCRA eine Auskunft über die Eigentumsverhältnisse
eingeholt. Diese sog. certidões muss das INCRA innerhalb
von 30 Tagen erteilen.

3. Wenn aus der certidão hervorgeht, dass das betreffende
Land nicht im Privateigentum steht, keine Indigenengebiete
und keine Ansiedlungsprojekte umfasst, wird
ein wirtschaftlicher Nutzungsplan erstellt.

4. Dieser Plan wird zusammen mit der schriftlichen Auskunft
dem IBAMA mit einem Antrag auf Entwaldung
vorgelegt. Das IBAMA erteilt die Entwaldungsgenehmigung
oftmals rechtswidrig, weil die Entwaldung nur
dann genehmigt werden darf, wenn Landtitel vorliegen.

5. Als nächstes erfolgt die Abholzung und damit der
“Beleg”, dass das Land tatsächlich wirtschaftlich genutzt wird.

6. Dann erfolgt der Gang zum Notariat, wo auf der
Grundlage der schriftlichen Auskunft, der Genehmigung
des IBAMA und der Beleg der tatsächlichen Nutzung
die rechtswidrige Beurkundung eines Landtitels erfolgt.




Legaler Holzeinschlag

Es gibt zwei Möglichkeiten, legal Holz einzuschlagen, beide
sind mit Anträgen an das IBAMA verbunden. Die erste
Möglichkeit ist, dass der Grundbesitzer eine Entwaldungsgenehmigung
beantragt, wenn er auf seinem Land Viehweiden
oder Ackerflächen anlegen will. Die zu entwaldende
Fläche darf in Primärwaldgebieten Amazoniens nicht mehr
als 20 % betragen, darüber hinaus müssen die permanenten
Schutzgebiete auf Hängen, an Wasserläufen und Quellen
berücksichtigt werden (siehe Waldschutzgesetz).

Die zweite

Möglichkeit ist der Waldbewirtschaftungsplan, der den
selektiven Einschlag regelt. Beide Anträge werden in der
Regel von freiberuflichen Forstingenieuren für das jeweilige
Unternehmen erstellt. Für das zu bewirtschaftende Wald oder
Grundstück müssen Landtitel nachgewiesen werden.
Das IBAMA hat oft nicht überprüft, ob diese Titel auch
rechtens sind. Eine Genehmigung der Anträge war im Falle
der Waldbewirtschaftung früher an eine vorherige Besichtigung
des Waldstücks gebunden, die aus Personal- und
Ressourcenmangel oder Korruption oft unterblieb.

In der Regel war die Genehmigungspraxis extrem schwerfällig
und langsam. Seit 2001 gibt es ein Dekret des MMA, das
besagt, dass alle beantragten Waldbewirtschaftungspläne
nach 60 Tagen automatisch als bewilligt gelten. Damit hat
der Unternehmer die Möglichkeit, den Plan umzusetzen und
muss sich dabei an die entsprechenden Gesetze halten. Das
IBAMA wiederum hat eine rechtliche Grundlage, um die
Umsetzung der Pläne zu kontrollieren, also hinzufahren und
zu prüfen, ob das Holz wirklich dort eingeschlagen wird.
Um Unregelmäßigkeiten bei der Kontrolle vor Ort zu verhindern,
wird gegenwärtig ein satellitengestütztes System
zur Kontrolle des Einschlags und des Transports aufgebaut
(SISPROF).

Redaktion, WebDesign und SEO bei Web500.com.br / Daniel Konzett

Alle Rechte sind bei den jeweiligen Autoren

Tags: ,

Leave a Reply

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Click to hear an audio file of the anti-spam word