Gedanken

Gedanken von Daniel Konzett

Das Zwiebelchen

Das Zwiebelchen

Also: Es lebte einmal ein altes Weib, das war sehr, sehr böse und starb.

Diese Alte hatte in ihrem Leben keine einzige gute Tat vollbracht. Da kamen denn die Teufel, ergriffen sie und warfen sie in den Feuersee.

Ihr Schutzengel aber stand da und dachte: Kann ich mich denn keiner einzigen guten Tat von ihr erinnern, um sie Gott mitzuteilen? Da fiel ihm etwas ein, und er sagte zu Gott:” Sie hat einmal”, sagte er, “in ihrem Gemüsegärtchen ein Zwiebelchen herausgerissen und es einer Bettlerin geschenkt.”

Und Gott antwortete ihm:” Dann nimm”, sagte er, “dieses selbe Zwiebelchen, und halte es ihr hin in den See, so daß sie es zu ergreifen vermag, und wenn du sie daran aus dem See herausziehen kannst, so möge sie ins Paradies eingehen, wenn aber das Pflänzchen abreißt, so soll sie bleiben wo sie ist.”

Der Engel lief zum Weibe und hielt ihr das Zwiebelchen hin: “Hier”, sagte er zu ihr, “fass an, wir wollen sehen, ob ich dich herausziehen kann!” Und er begann vorsichtig zu ziehen – und hatte sie beinahe schon ganz herausgezogen, aber da bemerkten es die anderen Sünder im See, und wie sie das sahen, klammerten sie sich alle an sie, damit man auch sie mit ihr zusammen herauszöge.

Aber das Weib war böse, sehr böse und stieß sie mit den Füßen zurück und schrie: “Nur mich allein soll man herausziehen und nicht euch, es ist mein Zwiebelchen und nicht eures.”

Wie sie aber das ausgesprochen hatte, riss das kleine Pflänzchen entzwei. Und das Weib fiel in den Feuersee zurück und brennt dort noch bis auf den heutigen Tag.

Der Engel aber weinte und ging davon.

Vaterhaus

Vaterhaus

 

Auf der Suche nach Gott erreicht der Mensch schließlich die Tiefe seines Herzens.

Dort schaut er seine eigene Wirklichkeit.

Der Augenblick der Schau und Vereinigung ist da.
Der Mensch ist nach Hause gekommen.
Was für eine große Überraschung wartet dort auf ihn!

Er hatte geglaubt, ein einsamer Pilger auf der Straße gewesen zu sein.
Lange schon hatte er die markierten Wege verlassen, fest entschlossen,
das Geheimnis seines Seins aufzudecken.

Wie viele Nächte hatte er in den Fängen des Abgrunds verbracht?
Wie viele Stunden hatte er in Faulheit und Furcht vertan, wie viel Zeit auf falschen Wegen verloren?

Doch wenn er endlich sein Vaterhaus erreicht hat, findet er dort viele tausend Pilger,
die auf ihm unbekannten Wegen das Vaterhaus erreicht haben
und die den Himmlischen Vater mit nie vernommenen Namen loben und preisen.

Dort, im Haus des vollkommenen Friedens, im Heim des Lichts, weiß er, daß er sein Ziel erreicht hat.
Er fühlt, daß er im Zentrum seines Seins ist, im Zentrum des Universums.
Er erkennt, daß die anderen Pilger seine Brüder und Mitreisenden waren,
die die gleichen Schwierigkeiten hatten und von der gleichen Sehnsucht getrieben wurden.

Im Vaterhaus ist kein Platz für die Unterscheidungen von “mein” und “dein”.

Die lichtvollste Überraschung am Ende der Reise ist die Schau der Vaterliebe, die vereint.
In ihr gibt es keine “anderen”.

Im Vater, durch Ihn, lieben wir uns selbst, uns selbst in allen verschiedenen Formen,
die sich als Brüder und Schwestern manifestieren.

Alle sind Glieder des einen Leibes, genährt vom selben Lebensblut,
bewegt vom selben Willen, dem Willen Gottes, gebunden durch dasselbe Göttliche Gesetz.

 

Das ist die kosmische Schau, die es zu erfahren gilt:

Gott in allem, überall.

Dieses schenkt dir ewige Freude.

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